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Architekturfotografie und denkmalpflegerische Bilddokumentation
Baudenkmale und Architekturgeschichte

 

Stockphoto-Galerie Nr.5  Foto, Fotografie, Bild, Abbildung

Texturen, Strukturen, Oberflächen, Materialien, historische Baustoffe, Ziegel

 

Fotograf und Urheberrecht:  Dipl.-Architekt Norbert Rauscher
Architektur- und Planungsbüro, D-16548 Glienicke/Nordbahn, Kieler Straße 16
Telefon: (033056) 80010, E-Mail: n.rauscher@web.de, Internet: www.rauscher-architekt.de

 

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Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk des 19.Jahrhunderts im Originalzustand, durch Umwelteinflüsse stark verschmutzt, mit altem Schild Denkmalschutz / Denkmalschutzschild; Dorfkirche in Komptendorf (Niederlausitz, Landkreis Spree-Neiße; Brandenburg); kleine, im 19.Jahrhundert an die Kirche angebaute Vorhalle aus Sichtziegelmauerwerk im Kreuzverband; Baudenkmal; Aufnahmedatum: 4.9.2008



 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk von 1853 im Originalzustand; Kreuzverband; neogotische / neugotische Dorfkirche in Spiegelhagen (Prignitz, Westprignitz; Brandenburg); Baudenkmal; Aufnahmedatum: 21.9.2007


 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk um 1906, Friedhofsmauer in Hohen Neuendorf (Landkreis Oberhavel; Brandenburg); Mauerziegel  im älteren Ziegelformat, Ziegelmaße meist um 255 x 125 x 68 mm, teils Abweichungen bis ca. 250 x 123 x 65 mm; Wandsegmente zwischen den Mauerpfeilern aus 1/2-Stein-Sichtmauerwerk 12,5 cm im Läuferverband, ursprünglich offenbar ohne Verfugung, teilweise bei späteren Reparaturarbeiten verfugt (letztes Bild); ob der Ziegelhersteller hier das alte Reichsformat (siehe unten) angestrebt hat oder nicht, bleibt offen, die Abweichungen sind jedenfalls erheblich; Aufnahmedatum: 24.9.2010



    

Ziegel (Mauerziegel) im Reichsformat sind ein Ergebnis der enormen Bautätigkeit in den "Gründerjahren" des Deutschen Reiches und der damit verbundenen Notwendigkeit, für große (staatliche) Bauaufgaben in kurzer Zeit sehr große Mengen an Mauerziegeln bereitzustellen. Einzelne Ziegeleien konnten diesen Bedarf nicht mehr abdecken, bei Lieferung durch mehrere Ziegeleien für ein Bauvorhaben waren einheitliche und abgestimmte Formate und Qualitäten erforderlich. Unter anderem aus diesen Gründen war bereits 1793 unter Friedrich Wilhelm II. durch Königliches Regulativ in Preußen das "mittlere Normalformat" für Mauerziegel eingeführt worden, es hatte die Maße 10 x 4 5/6 x 2 1/2 Zoll, also 261 x 126 x 65 mm. Die Vielfalt an Formaten blieb jedoch weiterhin erhalten, auch durch die vielen im ländlichen Nebenerwerb betriebenen kleinen Ziegeleien.

Der Berliner Baumeister Lämmerhirth (? - siehe unten) soll angeblich 1869 das Format 250 x 120 x 65 mm vorgeschlagen haben, welches dann 1871 als Deutsches Normalziegelformat durch den Preußischen Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten als Reichsnorm eingeführt wurde, die Norm trat am 1.1.1872 in Kraft. Hintergrund dieser Aktivität war, dass der Norddeutsche Bund und damit auch Preußen als sein größtes Mitglied bereits 1868 das metrische System beschlossen und ab 1.1.1869 eingeführt hatte - ohne größere Wirkungen im Baugewerbe zu hinterlassen. Nach der Proklamation des Deutschen Kaiserreiches 1871 wurde dieses System für das ganze Deutsche Reich übernommen. Allerdings hatte man damit nur den Mauerziegel als solchen metrisch gemacht (4 x 25 cm = 1 m), das daraus entstehende Mauerwerk incl. Fugen war keineswegs metrisch, es entstanden vielmehr höchst umständliche Maßketten und Gesamtmaße.

Das neue Ziegelformat wurde als Normalformat oder Deutsches Normalformat und später wohl überwiegend nur noch als Reichsformat (RF) bezeichnet. Der Einsatz war zumindest bei Staatsbauten vorgeschrieben und fand schon bald auch im privaten Bereich weite Verbreitung. 1875 wurde international das metrische System als verbindlich eingeführt (Meterkonvention von Paris), das deutsche Reichsformat wurde an das neue Maßsystem angepasst, um auch das Ziegelmauerwerk insgesamt bei Einsatz von ungeteilten Normalziegeln metrisch ausführbar zu machen. Als "Neues Reichsformat" wurden 240 x 115 x 63 mm festgelegt, ein zumindest horizontal einschließlich 10-mm-Fugen durch 8 teilbares metrisches (oktametrisches) Maßsystem. Umgangssprachlich war ab dieser Zeit für das weiterhin produzierte Ziegelformat von 1872 die Bezeichnung "Altes Reichsformat" üblich.

Unbefriedigend blieb noch, dass bei einer Ziegelhöhe von 63 mm für 1 Meter Mauerhöhe incl. Fugen (Baurichtmaß) 13 Schichten erforderlich waren, ein nicht teilbares Maß, was sich in der Baupraxis nur schlecht handhaben ließ und im Zusammenhang mit der nach dem ersten Weltkrieg zunehmend industriellen Herstellung und Normung von Bauelementen (Fenster, Türen, ...) zu Problemen führte. Obwohl bereits 1922 mit der ersten deutschen Ziegelnorm DIN 105 (Deutsches Institut für Normung e.V., gegründet 1917 als Normenausschuss der deutschen Industrie - NADI) ein weiterer Schritt zur Vereinheitlichung der Ziegelmaße unternommen wurde, konnte erst 1952 das moderne oktametrische System mit dem Normalformat (NF) von 240 x 115 x 71 mm eingeführt werden mit allen weiteren, darauf aufbauenden bzw. daraus abgeleiteten Formaten. Erst mit diesem Schritt wurde endgültig das neben dem Klosterformat wohl berühmteste Ziegelformat des Deutschen Reiches, das Reichsformat von 1872, nach 80 Jahren als zeitgenössischer Baustoff abgelöst. Das auf der neuen Grundlage entstehende Mauerwerk mit 12 Schichten auf 1 Meter Mauerhöhe war jetzt horizontal und vertikal im metrischen System teilbar. Dieses System gilt bis heute.

Baumeister Lämmerhirth: Bei Wikipedia (Stand 12.3.2011) findet man unter dem Stichwort "Backstein" den Eintrag, dass das später als "Reichsformat" bezeichnete Ziegelformat 1869 von dem Berliner Baumeister Lämmerhirth vorgeschlagen wurde; aus welcher Quelle diese Angabe stammt, wird nicht mitgeteilt. In den Berliner Adressbüchern der Jahre 1867-1872 (zugänglich auf der Website der Zentral- und Landesbibliothek Berlin) findet sich aber kein Baumeister Lämmerhirth (mit "th"). Da der Titel "Baumeister" in Preußen aufgrund fachlicher Qualifikation verliehen wurde und mit öffentlichem Ansehen verbunden war, wäre dieser Baumeister Lämmerhirth mit Sicherheit im Adressbuch der Stadt Berlin verzeichnet gewesen. Allerdings wohnte in der fraglichen Zeit der Königliche Baumeister Adolf Lämmerhirt in Berlin, Prinzenstraße 16 (1867) bzw. Kesselstraße 17e (1872). Nach 1872 erscheint er nicht mehr in den Adressbüchern. Im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin gibt es eine Zeichnung von Adolf Lämmerhirt, geboren 1835, zur "Überführung einer Röhrenleitung über einen Felseinschnitt. Monatskonkurrenz April 1862". Zu klären wäre somit die zumindest historisch interessante Frage, ob dieser Königliche Baumeister Adolf Lämmerhirt der Erfinder des Reichsformats war. Hinweise jeder Art werden dankbar entgegengenommen, Kontaktdaten siehe oben.

Literatur:
Ahnert/Krause: Typische Baukonstruktionen von 1860 bis 1960 zur Beurteilung der vorhandenen Bausubstanz, Band 1: Gründungen, Wände, Decken, Dachtragwerke; Verlag für Bauwesen / Bauverlag, Wiesbaden und Berlin 1991; ab Seite 35
Willi F. Bender: Lexikon der Ziegel. Vom Aal-Deckenziegel bis zum Zwischenwandziegel in Wort und Bild; Bauverlag, Wiesbaden und Berlin 1995 (zweite Auflage); digital im Internet zum Nachschlagen zu finden unter Dachziegelarchiv.de
Mila Schrader: Mauerziegel als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden und Ratgeber. Edition :anderweit, Suderburg-Hösseringen 1997; u.a. ab Seite 163
 


 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk von 1908 im Originalzustand; Dorfkirche in Hinzdorf (Prignitz, Westprignitz; Brandenburg); Aufnahmedatum: 5.10.2007


 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk vmtl. um 1900 im Originalzustand; zweifarbiges Ziermauerwerk an einem ehemaligen Wohnhaus für Gutsarbeiter zum Gut Krampfer (Prignitz, Westprignitz; Brandenburg); die zur Ornamentierung verwendeten dunklen Binderziegel sind Ziegel mit "verbrannten" und gerissenen Kopfseiten, welche in den kleinen ländlichen Ziegeleien meist durch ungleichmäßigen Kohlebrand an den heißesten Stellen im Brennofen entstanden - mehr oder weniger zufällig durch unkontrollierten Fehlbrand, häufig aber auch geplant durch Auftragen von Ascheschlämme, Engobe, Öl, Teer bzw. Pech u.ä. Substanzen auf der Kopfseite des Rohziegels vor dem Brennen; Aufnahmedatum: 19.9.2007



 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk um 1900 im Kreuzverband, vor längerer Zeit (vmtl. Anfang 1990er Jahre) gereinigt und neu verfugt, inzwischen durch Umwelteinflüsse wieder etwas nachgedunkelt, Farbschwankungen durch unterschiedliche Temperaturen beim Brennvorgang (Oberflächen teils "verbrannt", siehe oben); das Material gehörte nicht zur besten Qualität und war nicht für den Einsatz an Straßenfassaden vorgesehen; Giebelseite eines Mehrfamilienhauses / Mietshauses in Velten (Landkreis Oberhavel; Brandenburg); das mehrgeschossige Wohnhaus besitzt eine Putz-Stuck-Fassade als Straßenfassade, nur Giebelseiten und Hofseite wurden aus Ziegelsichtmauerwerk erstellt. Die Bildserie ist sehr gut zur Herstellung von nahtlos kachelbaren Texturen für CAD-Programme geeignet. Aufnahmedatum: 24.3.2011

Hinweis: Die gelben Ziegel waren typisch für die Lehmgruben in der Region nördlich von Berlin, besonders um Velten und Birkenwerder, sie haben bis zur Mitte des 20.Jahrhunderts ganze Ortsbilder geprägt. Leider wird das von den Städten und Gemeinden im Landkreis Oberhavel bei der Ortsbildpflege in keiner Weise beachtet, hier fehlt offenbar vollständig das Gefühl für regionale Besonderheiten, die sich auch touristisch gut vermarkten ließen. Inzwischen entstehen überall Neubauten mit roten Verblendern - obwohl gelbe Verblender zum gleichen Preis zu haben sind.








 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk, vor längerer Zeit saniert und neu verfugt; teils Baudenkmale; Altstadt von Flensburg (Schleswig-Holstein); Aufnahmedatum: 15.9.2009





 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk nach fachgerechter Reinigung / Sanierung / Neuverfugung; teils Baudenkmale; diverse Orte




 

Ziegelmauerwerk, Altmauerwerk nach "Sanierung", teils mit Mörtel bekleckert, teils unsachgemäß mit Zementmörtel neu verfugt; diverse Orte


 

Ziegelmauerwerk; vollständig incl. Fugen mit Ölfarbe beschichtet als Imitationsmalerei auf historischem Original-Mauerwerk im Denkmalbereich; Lüneburg (Niedersachsen); Aufnahmedatum: 2.10.2007


 

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